50 Jahre G10: Zeit für Rechtsstaat!

Mit den Notstandsgesetzen von 1968 wurde vor 50 Jahren durch die erste
Große Koalition in Artikel 10 des Grundgesetzes ein Absatz angefügt ...

Beschluss des Bezirksvorstandes vom 26.03.2020

Mit den Notstandsgesetzen von 1968 wurde vor 50 Jahren durch die erste

Große Koalition in Artikel 10 des Grundgesetzes ein Absatz angefügt, der die

reguläre gerichtliche Kontrolle von Eingriffen in das Grundrecht auf Brief-, Post-

und Fernmeldegeheimnis abschaffte. Entgegen Artikel 19 Absatz 4 Grundgesetz

(Rechtsweggarantie) steht den Bürgerinnen und Bürger seither nicht mehr der

ordentliche Rechtsweg offen, wenn sie von staatlichen

Überwachungsmaßnahmen betroffen sind. An die Stelle der Gerichte trat

stattdessen ein politisches Gremium, die vierköpfige „G10-Kommission“.

Wie schon damals, treten die Freien Demokraten auch heute noch für ein hohes

Schutzniveau unserer Bürgerrechte sowie eine wirksame rechtsstaatliche

Kontrolle staatlicher Grundrechtseingriffe ein und lehnen deshalb nach wie vor

die damals vorgenommene Änderung des Grundgesetzes ab. Unserer

Überzeugung nach sollte jedem EU-Bürger der reguläre Rechtsweg offenstehen,

um sich gegen ihn gerichtete Überwachungsmaßnahmen zur Wehr zu setzen.

Wir Freie Demokraten setzen uns daher dafür ein, dass der Artikel 10 des

Grundgesetzes wieder in seine ursprüngliche Fassung zurückversetzt wird
,

die lautet:

„Das Briefgeheimnis sowie das Post- und Fernmeldegeheimnis sind unverletzlich.

Beschränkungen dürfen nur auf Grund eines Gesetzes angeordnet werden.“

Die bisherigen Aufgaben der G10-Kommission sollen damit künftig wieder auf ein

ordentliches, nichtöffentlich tagendes Gericht übergehen, welches eine

unabhängige rechtsstaatliche Kontrolle der Kommunikationsüberwachung und

damit ein hohes Schutzniveau der Bürgerrechte sicherstellt.

Darüber hinaus sollen grundsätzlich alle Überwachungsmaßnahmen regelmäßig

und in einer Gesamtbetrachtung auf ihre Notwendigkeit hin überprüft und im

Zweifel wieder abgeschafft werden. Als nächsten Schritt werden wir uns dafür

einsetzen, dass die Quellen-Telekommunikationsüberwachung /

Online-Durchsuchung verboten wird.